Wo Ihr E-Fuhrpark unnötig Geld verliert
Welche Ladekarte sollen Ihre Mitarbeitenden nutzen? Wann entstehen Zusatzgebühren? Und wie viel Reichweite brauchen die Fahrzeuge tatsächlich? Wenn Ihre E-Car-Policy darauf keine klaren Antworten gibt, bleiben wichtige Kostenentscheidungen im Alltag den einzelnen Fahrenden überlassen.
Für einen wirtschaftlichen E-Fuhrpark lohnt sich deshalb der Blick über Fahrzeugrate und Stromverbrauch hinaus. Entscheidend ist auch, welche Regeln für Auswahl und Nutzung gelten – und ob Ihre Mitarbeitenden diese im Alltag umsetzen können. Drei Bereiche sollten Sie besonders prüfen.
1. Zusatzkosten sichtbar machen
Blockiergebühren können einen Ladevorgang deutlich verteuern. Je nach Anbieter können bspw. 5 bis 25 Cent pro Minute zusätzlich anfallen. Dabei ist nicht zwangsläufig entscheidend, ob die Batterie bereits vollgeladen ist.
Reporten Sie solche Gebühren anhand Ihrer Ladekartenabrechnungen und ordnen Sie diese den Fahrenden zu. So erkennen Sie, wo wiederholt Zusatzkosten entstehen und welche Informationen den Fahrenden fehlen.
In die E-Car-Policy gehören verständliche Hinweise zu den geltenden Bedingungen sowie klare Vorgaben zum rechtzeitigen Freigeben der Ladesäule. Erläutern Sie neue Regeln anhand konkreter Abrechnungen. Das macht ihre wirtschaftliche Bedeutung greifbar.
2. Die Wahl des Ladetarifs nicht dem Zufall überlassen
Beim öffentlichen Laden entscheidet auch der gewählte Tarif über die Kosten. Selbst an derselben Ladesäule können je nach Ladekarte oder Abrechnungsmodell unterschiedliche Preise gelten. Einen Überblick über diese Unterschiede bietet der ADAC-Ladetarifvergleich.
Die E-Car-Policy sollte deshalb festlegen, welche Ladekarten und Tarife bevorzugt genutzt werden sollen. Ergänzend können Preisgrenzen Orientierung geben. Dabei braucht es praktikable Ausnahmen, etwa wenn auf einer dienstlichen Strecke keine geeignete Alternative verfügbar ist. Ein günstigerer Strompreis spart wenig, wenn dafür erhebliche Umwege oder zusätzliche Arbeitszeit entstehen.
Für Fuhrparkverantwortliche empfiehlt sich eine regelmäßige Auswertung der Ladevorgänge nach Anbieter, Energiemenge und Gesamtkosten. Neben dem Kilowattstundenpreis gehören auch Grund-, Transaktions- und mögliche Zeitgebühren in die Betrachtung.
3. Reichweite am tatsächlichen Einsatz ausrichten
Wirtschaftlichkeit beginnt bereits bei der Fahrzeugbestellung. Wer die Batteriegröße an seltenen Langstreckenfahrten ausrichtet, bezahlt möglicherweise dauerhaft für Reichweite, die im Alltag kaum benötigt wird.
Die bessere Entscheidungsgrundlage liefern reale Fahrprofile: tägliche Strecken, regelmäßige Einsatzgebiete und verfügbare Lademöglichkeiten. Fahrtenaufzeichnungen oder datenschutzkonform eingesetzte Telematik können helfen, den Bedarf einzuordnen. Ziel ist eine Fahrzeugauswahl, dessen Batterie rund 95 Prozent des üblichen Fahrprofils abdeckt.
Die WLTP-Reichweite dient dabei als Vergleichswert, nicht als garantierte Alltagsreichweite. Insbesondere niedrige Temperaturen und Autobahnfahrten können die tatsächlich erreichbare Strecke deutlich reduzieren. Wir empfehlen daher mit einem Reichweitenabschlag von 30 Prozent gegenüber dem WLTP-Wert zu kalkulieren. Für häufige Langstreckeneinsätze zählt außerdem, wie viel Reichweite in einer üblichen Ladepause nachgeladen werden kann. Die maximale Ladeleistung allein reicht zur Bewertung nicht aus. Das zeigen auch die Reichweiten- und Ladetests des ADAC.
Halten Sie die Auswahlkriterien in Ihrer Car-Policy fest. Das schafft eine nachvollziehbare Grundlage für Fahrzeugbestellungen und Gespräche mit Dienstwagenberechtigten.
Die E-Car-Policy regelmäßig weiterentwickeln
Damit die Regeln im Alltag funktionieren, müssen sie verständlich, zugänglich und aktuell sein. Neben Fahrzeugauswahl und öffentlichem Laden gehören auch Zuständigkeiten, Heimladeabrechnung und der Umgang mit Abweichungen in die Richtlinie.
Ein halbjährlicher Review bietet einen sinnvollen Rhythmus: Welche Kosten fallen auf? Wo fehlen klare Vorgaben? Welche Rückmeldungen kommen von den Fahrenden? Wesentliche Änderungen bei Tarifen, Technik oder rechtlichen Rahmenbedingungen sollten zusätzlich Anlass für eine Anpassung sein.
Prüfen Sie Ihre bestehende E-Car-Policy gezielt auf diese Punkte. So schaffen Sie die Grundlage, um vermeidbare Ausgaben zu reduzieren und Ihren elektrischen Fuhrpark wirtschaftlich zu betreiben.